Nachbericht zu unserer Neophyten-Radtour: Was in meinem Garten wächst, bestimme ich

Der Überschrift würde wohl jeder zustimmen, aber die Gartenbesitzer tragen die Verantwortung dafür, dass die (häufig exotischen) Pflanzen dort auch bleiben. Meist werden Samenstände nicht entfernt, sodass Wind und Vögel diese verbreiten können. Oder die Gartenabfälle werden, trotz Biotonne, gar immer noch auf die Wiese neben dem Grundstück oder gleich ganz in die Natur gekippt. So ist die erste Barriere, der Gartenzaun, überwunden. Bäche und Flüsse wie die Donau schicken die Samen dann auf große Reise und die Allgemeinheit hat die Folgen zu tragen, wenn Pflanzen sich plötzlich an Orten ungehindert vermehren, wo sie natürlich nicht vorkommen. So kommt es zu der schockierenden Aussage von Jürgen Englisch von der Unteren Naturschutzbehörde der Stadt Straubing: „Ittling haben wir weitgehend aufgegeben, wir konzentrieren uns auf Bereiche, wo die Bekämpfung der invasiven Neophyten noch Erfolg verspricht“.

Invasive Pflanzen und ihre Gefahren sind in unserem Jahresprogramm dieses Jahr ein Schwerpunkt: Nach einem Theorie-Vortrag im Juni ging es nun also im Juli mit dem Rad auf Erkundungstour. Startpunkt war unter der Donaubrücke der B20. Schon nach wenigen Metern stoppte die Gruppe bei einer amerikanischen Traubenkirsche, dann ging es über die Kartbahn hinunter zur Donau, zum Hafen, entlang der Aitrach und schließlich bis zum unteren Moosgraben an der Öblinger Strasse. Kanadische Goldrute, den sibirischen Hartrigel, Glattblattastern, wilden Wein und andere Pflanzen von der schwarzen EU-Liste musste man nicht lange suchen. Invasive Pflanzen sind eine Untergruppe gebietsfremder Arten, die nachweislich massive ökologische, wirtschaftliche oder gesundheitliche Schäden verursachen. Zum Beispiel durfte der Essigbaum in den 80er Jahren in keinem Garten fehlen. Heute findet man ihn beinahe ausschließlich in der freien Natur, wo er großflächig einheimische Pflanzen verdrängt. Für Insekten und Vögel ist er, wie viele Neophyten, weitgehend wertlos.

Die Problematik der Bekämpfung verdeutlichte Englisch an einem Eschen-Ahorn an der Donau. Einfach Fällen ist keine Lösung, es würde zu einer Panikreaktion des Baumes führen. In wenigen Jahren würden an dieser Stelle vier neue Bäume stehen. Um das zu vermeiden muss die Pflanze jahrelang geschwächt werden, indem rund um den Stamm ein Streifen der Rinde entfernt wird. Doch selbst dann ist das Problem nicht immer gelöst. So hat der gezeigte Beispielbaum die Wunde bereits an drei Stellen mit neuer Rinde überbrückt. Nur wenn in den folgenden Jahren diese Brücken immer wieder entfernt werden, ist der Baum zu besiegen. Ein unglaublicher (auch finanzieller) Aufwand bei der Vielzahl der Problemfälle.

Für die Zukunft ist noch Teil 3 unserer Neophyten-Serie geplant. Unter Anleitung der Unteren Naturschutzbehörde planen wir dann selbst invasive Neophyten zu entfernen – und freuen uns hierfür über tatkräftige Unterstützung. Vorab werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Radtour unter dem Eindruck der Veranstaltung aber schon mal den eigenen Garten durchforsten.

 

Beim sogenannten Ringeln wird die Rinde des Baumes entfernt um zu verhindern, dass er aus dem Wurzelstock neu austreibt.

 

Dieser Baum hat die entfernte Rinde an verschiedenen Stellen überbrückt. Diese Stege müssen nachträglich entfernt werden, sonst war die ganze Maßnahme umsonst